Bürgerinfo: OB Ralf Broß stellt Rahmenplan vor

Stadt klärt derzeit die Finanzierung / 2021 europaweiter Wettbewerb

Oberbürgermeister Ralf Broß hat am Dienstag, 13. Oktober, im Rahmen einer Bürgerinformation in der Stadthalle den Planungsstand zur Landesgartenschau 2028 vorgestellt. Die Veranstaltung fand wegen der Corona-Pandemie unter strengen Hygiene-Auflagen statt. Dennoch nutzten rund 150 Bürgerinnen und Bürger die Chance, sich aus erster Hand zu informieren und mit dem Oberbürgermeister die Pläne zu diskutieren.


Eine mögliche Idee, um eine Verbindung zwischen der Historischen Innenstadt über den Neckar zu schaffen und gleichzeigt den neuen Ringzughaltepunkt „Stadtmitte“ anzubinden: Eine elegant geschwungenen Brücke, die auch eine mögliche Wohnbebauung am Landesgartenschau-Hauptgelände gut für Fußgänger und Radfahrer erreichbar machen würde (Grafik: Stadt Rottweil).

Broß ordnete die Landesgartenschau zu Beginn seines Vortrags in den städtebaulichen Rahmen ein: Die Stadt Rottweil habe mit dem Bau des Testturms, dem geplanten Neubau der Justizvollzugsanstalt und der Fußgänger-Hängebrücke wichtige Akzente für eine positive Entwicklung Rottweils in der Zukunft gesetzt. Dazu tragen beispielsweise auch die Sanierungsgebiete in der Innenstadt und in der Au, das Schulhaussanierungsprogramm und die Ausweisung neuer Bauplätze in der Kernstadt wie auch in den Teilorten bei. Die Landesgartenschau mit ihrem Zentralgelände am Fuß der historischen Innenstadt liegt an der Schnittstelle zwischen dem Siedlungskern und der offenen Landschaft jenseits des Neckars im Osten, dem Gewerbegebiet Berner Feld im Norden und dem Bahnhof im Süden. Broß zeigte Entwicklungsperspektiven bis in das Jahr 2040 auf: Denkbar sei eine Wohnbebauung östlich des Neckars in Ergänzung zur Erweiterung des Gewerbegebiets Berner Feld. Ebenso sei eine Osttangente eine Vision, über die es lohne zu diskutieren, um die Innenstadt vom Verkehr zu entlasten. Landesgartenschauen seien mittlerweile längst keine reinen Blumenschauen mehr, sondern „Motor der Stadtentwicklung“.


Die Grafik zeigt, wie sich Rottweil rund um die Landesgartenschau bis ins Jahr 2024 weiterentwickeln könnte: Eine Wohnbebauung am „Langen Berg“, zusätzliche Industrie- und Gewerbeansiedlungen im „Berner Feld“ und eine Osttangente von der Altstadt zur B 27, um die Innenstadt vom Verkehr zu entlasten (Grafik: Stadt Rottweil).

Im Anschluss umriss Broß die Ideen, die derzeit im sogenannte Rahmenplan zusammengefasst werden. Der Plan ist die Grundlage für einen europaweiten Wettbewerb für Landschaftsarchitekten, der 2021 ausgelobt werden soll und der vom Gemeinderat im Sommer im Grundsatz beschlossen wurde. Broß ließ auch die verschiedenen Beteiligungsformate Revue passieren, beispielsweise den Bürgerworkshop Landesgartenschau (2019), die Aktionen „Rottweil gemeinsam weiter denken“ (2019) und „Bring es auf den Punkt mit Bügerinfo“ (2018) oder auch ein „Bürgerspaziergang mit Workshop“ (2017) Alle Beteiligungsformate fließen in die Planungen mit ein, wobei im Rahmenplan noch keine konkreten Maßnahmen verankert werden. Das – so betonte Broß – werde später mit der Gestaltung der Ausstellungsflächen geschehen.

Zwei Punkte im Rahmenplan sind derzeit im Gemeinderat noch in der Diskussion: Konsens besteht darin, dass es eine möglichst barrierefreie Verbindung von der historischen Innenstadt über den Neckar geben soll, die auch eine Erschließung des neuen Ringzughaltepunkts „Stadtmitte“ beinhaltet. Wie diese Verbindung gestaltet werden kann, ist aber noch offen und wird Teil des europaweiten Planungswettbewerbs sein. Eine erste Vision ist eine elegant geschwungene Brücke, die vom Alten Spital hinüber zum Tafelberg reichen würde. Ebenso ist noch offen, ob und wo eine zusätzliche Wohnbebauung im Umfeld der Landesgartenschau realisiert werden soll. In einer kleinen Variante seien beispielsweise Mehrfamilienhäuser auf dem heutigen Gelände der ENRW-Werkshallen denkbar, erklärte Broß. Diskutiert werde, ob zusätzlich eine Wohnbebauung nördlich des ENRW-Geländes oder auf der Hochfläche im Bereich der Tafelgasse denkbar und wünschenswert ist. Broß sagte, dass es sich hierbei um eine Entwicklung weit über das Jahr 2028 hinaus handeln würde und man erst am Anfang der Überlegungen stehe. Bereits bei der Präsentation im Gemeinderat hatte der OB darauf hingewiesen, dass hier auch die Chance für ein städtebauliches Modellquartier mit ressourcenschonender Bauweise und innovativen Mobilitätslösungen denkbar sei – ähnliche wie es beispielsweise die BUGA Heilbronn mit ihrer städtebaulichen Ausstellung vorgemacht habe.


Die Grafik veranschaulicht die möglich Lage einer neuen Neckarquerung und eines zusätzlichen Ringzughalts unterhalb der historischen Innenstadt (Grafik: Stadt Rottweil.).

Nach der Präsentation des Oberbürgermeisters stellte Tobias de Haën, Geschäftsführer von BWgrün, der Förderungsgesellschaft für die Baden-Württembergischen Landesgartenschauen, sich den Bürgerinnen und Bürgern in einem kurzen Statement vor. Die Stadt Rottweil bereite sich vorbildlich auf die Landesgartenschau vor, dies gelte insbesondere auch für die umfassende und frühzeitige Bürgerbeteiligung. Für die Stadt biete eine Landesgartenschau immer eine gute Chance, auch weitere Förderprogramme des Landes für einen umfassenden Prozess einer Stadterneuerung zu nutzen. „Landesgartenschauen fördern das Selbstbewusstsein, um große Dinge anzupacken und eine Stadt voranzubringen“, betonte de Haën. Idealerweise sei die Landesgartenschau dann ein großes Bürgerfest, um gemeinsam das Erreichte zu feiern und diese Freude mit Gästen aus nah und fern zu teilen.

Es folgte eine Fragen- und Antworten-Runde mit dem Oberbürgermeister. Thema war unter anderem der Neckarpegel beim Hauptgelände. Broß erklärte, dass eine Verlegung von den Behörden zwingend gefordert werde, sollte der Neckar an dieser Stelle renaturiert werden. Ansonsten würde der Pegel nämlich nicht mehr die für die Hochwassermeldung erforderlichen Messdaten liefern können. Gefragt wurde der Oberbürgermeister auch, welche Kosten die Stadt für die Landesgartenschau tragen könne. Hier sei es entscheidend, ob es gelinge, die einzelnen Projekte durch Förderprogramme des Landes mitzufinanzieren, führte der OB aus und zeigte sich zuversichtlich, dass dies in vielen Bereichen gelingen könne. Für Diskussionsstoff sorgte auch der Entwurf einer Brücke von der Innenstadt auf die andere Neckarseite. Broß betonte, dass im anstehenden Wettbewerb lediglich das Ziel einer möglichst barrierefreien Verbindung vorgegeben werde. Die gezeigte Brücke sei daher als „Vision“ zu verstehen, man dürfe gespannt sein, welche Vorschläge der europaweite Wettbewerb bringe. Die Verkehrssituation in der Innenstadt war ein weiteres Thema, das den Bürgern wichtig war. Broß erinnerte an einen fertigen Planentwurf der Stadtverwaltung, der bislang allerdings nicht die Zustimmung des Gemeinderats gefunden hat: Die Busse könnten statt am Friedrichsplatz auch an der Post auf umsteigende Fahrgäste warten. Am Friedrichsplatz wäre dann nur noch ein kurzer Halt zum Ein- und Aussteigen notwendig. Damit, so der OB, könnte die Aufenthaltsqualität auf dem Friedrichsplatz spürbar verbessert werden, die vielfach beklagte „Rote Wand“ aus Bussen verschwinden.


Die Grafik zeigt, in welchen Zeitabschnitten die Landesgartenschau bis 2028 vorangetrieben werden soll (Grafik: Stadt Rottweil).

Derzeit klärt die Stadt die Finanzierung und Fördermöglichkeiten für verschiedene Teilprojekte. Der Oberbürgermeister erklärte, dass der Rahmenplan gewissermaßen der „Wunschzettel“ von Gemeinderat und Bürgerschaft sei. In Frage kommt eine Bandbreite von 20 bis 65 Millionen Euro. Laut Zeitplan soll der Gemeinderat im ersten Quartal 2021 den Rahmenplan beschließen. Es folgt dann ein europaweiter Wettbewerb. In den Jahren 2022 und 2023 ist Zeit, die Pläne zu vertiefen und die Arbeiten auszuschreiben. 2024 soll bereits mit den Bauarbeiten begonnen werden, um ausreichend Zeit bis zur Eröffnung der Landesgartenschau im Jahr 2028 zu haben.

Aufgrund der Corona-Pandemie konnte nur eine begrenzte Personenanzahl zu dieser Veranstaltung zugelassen werden. Eine vorherige Anmeldung war zwingend notwendig, die Stadthalle wurde mit großen Abständen bestuhlt und es bestand die Verpflichtung, einen geeigneten Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Dieser durfte erst abgelegt werden, wenn die Gäste ihren Sitzplatz eingenommen hatten.

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